News – das grüne Werk

18.04.2022

Ostermontag, ich wache verschlafen auf und habe noch immer Kopfschmerzen. Seit Tagen huste ich mir die Lunge aus dem Leib und liege in der Horizontalen. Schöne Ferien, schöne Ostern, na bravo. Viel zu faul, um aufzustehen und eine «echte» Meditation zu machen, erledige ich das auch heute gerne im Liegen. Schliesslich besitze ich ja die Arroganz jahrelanger spiritueller Erfahrung, da muss man das Ganze auch nicht mehr so ernst nehmen. Gähnend begebe ich mich also in meine Meditation, mache brav meine Energieübungen und zack, da sitzen sie auch schon, meine beiden Geistführer. Ich bin etwas irritiert, das ging dann doch ein wenig schnell, selbst für meine Verhältnisse.

«Lass uns ein Buch schreiben», ist der Vorschlag von ihnen, grad heraus, ohne Vorbereitung.

«Hä? – es ist noch ziemlich früh und ich habe die Nacht kaum geschlafen.

«Das grüne Werk», ihre Antwort.

«Was für ein Werk?»

«Das grüne Werk – du wolltest doch heute ohnehin ein grünes Buch beginnen», wird mir entgegengegrinst.

Grinsen kenne ich eher weniger von meinen geistigen Freunden, das irritiert mich noch mehr. Ich hatte doch gestern keinen Alkohol. Was ist los? Hat der Hustensaft so reingehauen? Ist ja alles etwas in Schieflage, wenn man so stark hustet und im Bett liegt.

«Es ist unser Ernst. Das grüne Buch, du hast es nicht umsonst ausgewählt. Grün wird eine wichtige Farbe werden für deine nächsten Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre. Lass uns ein Werk daraus machen.»

Ich rümpfe die Nase. Ich hatte gestern das grüne Buch ausgewählt, weil ich nicht mehr viel Alternative hatte, also nicht wirklich so spirituell und so. Ich schreibe täglich meine Notizen in ein hochwertiges Notizbuch – von Hand. Ich mag grün nicht. Und jetzt soll ich noch ein Buch darüber schreiben und die Farbe soll mich auch noch begleiten? Meine Begeisterung hält sich extrem in Grenzen.

«Und worum soll es in dem Buch gehen?», will ich wissen.

«Über deinen Garten», knappe Antwort.

«Was für’n Garten, ich bin noch immer auf Haussuche, da ist kein Garten», erkläre ich.

«Deinen Seelengarten. Lass uns den aufräumen und neu bepflanzen und dann suchen wir uns einen richtigen Garten. So in echt mit allem drum und dran und zwar alles mit geistiger Hilfe», erhalte ich zurück.

«Mein Seelengarten ist aufgeräumt», sage ich.

«Ach ja? Welche Variante davon? Diejenige, die du dir bei Meditationen vorstellst so wie eine nett zusammengestellte Fernsehshow oder die Variante, die wir jeden Tag erleben, wenn wir durchspazieren?», wird mir entgegengelächelt

«Uff», was soll ich da sagen. Das haut ganz schön rein. «Dann wird das ein Seelenstriptease?»

«Unter anderem, du brauchst ja nicht blank zu ziehen,» wird gescherzt.

«Haha, sehr lustig und was wollt ihr in dem Buch?», will ich wissen.

«Das Buch ist wichtig, weil andere Menschen darin Antworten finden werden. Das Buch soll eine witzige Seelenreise werden und wir wollen andere Menschen mit dir anregen, mit der geistigen Welt zu arbeiten. Es kann ziemlich lustig sein mit uns werden. Du weisst das. Wir wollen mit deiner Hilfe den Menschen die Angst nehmen, mit uns Kontakt aufzunehmen und unseren Inputs zu folgen. Wir werden das Aufräumen eines Seelengartens und Tipps im Alltag mit unserer Hilfe gemeinsam mit dir in spannende und vor allem witzige Geschichten verpacken. Die Menschen werden es lieben, wir werden viel Spass haben.»

Ich muss grinsen. Ja, Humor haben sie in der Tat. Das stimmt schon. Ob das allerdings so witzig wird mit der Seelenreise auf Papier sehe ich noch nicht ganz so entspannt.

«Vertraust du uns?», fragen sie mich sehr ernst, weil sie bemerken, dass ich nicht überzeugt bin.

Ich zögere. Na bravo. Doch dann gebe ich nach.

Ich seufze und nicke.

Also gut Leute, es geht also los: «das grüne Buch»

Ich wollte so lange wieder schreiben, einige Versuche gab es. Ich wollte wieder was Witziges schreiben und dann wieder was Sinnvolles. Dann habe ich wieder abgebrochen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass beides quasi über mich kommt am Ostermontag bei Dauerhusten und völlig unausgeschlafen. Aber man soll ja offen bleiben für die Wunder des Lebens. Manchmal fühlen sie sich nicht so preisgekrönt mit Hans-Zimmer-Musik an wie in den Filmen, sondern sind begleitet von vollgeschneuzten Papiertaschentüchern, Hustensaft und umringt von Katzenhaaren in der Bettwäsche. Frohe Rest-Ostern und dann also nichts wie ab in die neuen Geschichten. Ich melde mich wieder inkl. meiner geistigen Freunde.